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Exodus wird 10! (K)ein Grußwort

An diesem Wochenende feiern unsere jüdischen Geschwister Pessach. Und so dachte ich, lesen wir statt eines „richtigen Grußwortes“ heute Abend ein paar Worte von jemand anderem.

Einen Text, der in besonderer Weise vom Frei werden erzählt.

So oder so ähnlich steht er — nicht ganz — in der Bibel, im ersten Testament, im 15. Kapitel des 2. Buch Mose. Im Buch Exodus:

Und Miriam und Moses und das Volk stimmten gemeinsam ein, in ein Lied mit diesen Worten:

Aus voller Kehle und mit meiner Gitarre singe ich meinem Gott ein Lied.
Menschen auf hohen Rössern und Paragraphen-Reiter warf er ins Meer.

Gott ist meine Stärke, Gott ist mein Lied.
Und ja: Gott ist meine Rettung.

So einen Gott habe ich,
und ich lasse es die ganze Welt wissen.
Denn Gott gehört zu mir.
Und davon erzähle ich weit und breit.

Digital und kohlenstofflich.
Im Advent aus der Hosentasche und
in der Fastenzeit auf dem Fensterbrett, am Kühlschrank.
Ich erzähle davon zu Weinachten, Ostern und Pfingsten.
Und davor und danach und da_zwischen.
In den Straßen und Kirchen unserer Stadt und unserem Land.
In Parkhäusern und Ruinen.
Auf Radtouren und in Podcasts.
Und ja, auch zweifelnd und zaudernd.
Nicht nur in der Gedenkstätte eines Konzentrationslagers.

Gott ist Kämpfer, und manchmal auch ein ganz schöner Loser.
Aber immer ganz und gar Gott, durch und durch.
Eine Siegerin bei der es keine Verlierende gibt.

Die Armeen meiner Ängste wirft Gott immer wieder ins Meer.
Und ertränkt alles das, was mich unfrei macht.
Fluten und Wellen decken sie zu.
Und wie Steine versinken meine Fesseln in der Unerreichbarkeit des tiefen Blaus.

Wer ist so wie Du, Gott?
Wer kann sich mit Dir vergleichen,
und mit deiner Kreativität, Deinem Lachen, Deinen Farben.
Mit Deiner Treue, Deiner Freiheit und Deiner Leichtigkeit.

Du führst uns unter deinem Schutz zu den Orten,
die uns nähren und schützen, Kraft geben und inspirieren.
Wir selbst sein und zur Ruhe kommen können.
Dort wo es Waffeln gibt und Schnaps und Picknick,
Konfetti und gute Musik.
Glitzer und Gold.

Aus voller Kehle und mit unseren Gitarren singen wir unserem Gott ein Lied.

Liebe Exodus-Gemeinschaft. So ähnlich, vielleicht mit weniger Glitzer und Konfetti beschreiben unsere jüdischen Geschwister ihre Erfahrung vom Frei werden und Frei sein.

Ihr seid vor ziemlich genau 10 Jahren ausgezogen, um Freiheit in besonderer Weise auf die Spur zu kommen. Und ganz ähnlich wie die Menschen von denen der ursprüngliche Text in der Bibel erzählt, macht Ihr die Erfahrung, dass das Leben immer vorne liegt. Und dass genau Gott sich da finden lassen will.

Es ist gut, dass Ihr diese Erfahrung nicht für Euch behaltet. Und dass Ihr davon immer wieder auch im und für das Bistum Hildesheim diese Geschichten erzählt. Und für die Kirche. Dass Ihr Zeugnis gebt, von Gott, die in die Freiheit führt. Gott, die Freiheit ist.

Möge es immer eine Wolkensäule geben, die bei Tag vor Euch her zieht, und möge eine Feuersäule bei Nacht Euch einen Weg zeigen. Möge Gott sich in diesen Säulen auch in den nächsten 10 oder 100 Jahren immer wieder neu zu erkennen geben. –Amen.

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Thinking about futures.

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